Was Margaretes chronische Erkrankungen im Alltag brauchen

11 Karten aus dem Arztbrief 02.05.2026 abgeleitet (inkl. COPD und Post-Stroke als häufige Ko-Diagnosen bei HI und VHF). Für Rettungsdienst und Angehörige: Empfohlen, Nicht und Warnzeichen je Diagnose.

Herzschwäche

HI

Täglich

  • Morgens wiegen — gleiche Waage, gleiche Kleidung
  • Trinkmenge nach ärztlicher Vorgabe (meist 1–1,5 l)
  • Salzarm essen — Fertiggerichte meiden

Nicht

  • Ibuprofen / andere NSAR ohne ärztliche Freigabe
  • Wassertablette eigenmächtig weglassen
  • ACE-Hemmer oder Sartan (Ramipril, Candesartan, Valsartan) bei mehrtägigem Erbrechen/Durchfall oder bei Hitze/Fieber weiter nehmen — Rücksprache Hausarzt (Nieren-Belastung durch Volumenmangel)

Warnzeichen — heute Hausarzt

  • +2 kg in 3 Tagen oder dicke Knöchel
  • Kurzatmig beim flach Liegen oder nach 1 Etage

Vorhofflimmern

VHF

Täglich (bei bekanntem VHF)

  • Ihren Blutverdünner zur festen Zeit einnehmen — bei Margarete Apixaban 1-0-1.
    Andere gängige Blutverdünner
    • Edoxaban 1-0-0
    • Rivaroxaban 1-0-0
    • Dabigatran 1-0-1
    • Marcumar / Phenprocoumon nach INR-Tagesplan
  • Puls prüfen — unregelmäßig ist bei VHF normal, aber nicht rasend

Nicht

  • Blutverdünner eigenmächtig pausieren — auch nicht vor kleinen Eingriffen (Zahnarzt, Injektionen), immer mit Arzt absprechen
  • Bei Marcumar: neue Antibiotika, Amiodaron, Fischöl oder Grapefruitsaft ohne INR-Kontrolle

Warnzeichen — sofort 112

  • Einseitige Schwäche, verwaschene Sprache, hängender Mundwinkel (BE-FAST)
  • Herzrasen > 20 Minuten mit Schwindel oder Brustschmerz
  • Neu bemerktes unregelmäßiges Herzrasen ohne bekannte VHF-Diagnose — heute Klinik-Notaufnahme, nicht selbst behandeln (Erst-Diagnose braucht EKG + Rhythmusklärung + Schlaganfall-Risiko-Bewertung)

Diabetes mellitus Typ 2

DM2

Täglich

  • Regelmäßig essen — keine Mahlzeit auslassen
  • Füße morgens prüfen (Druckstellen, Rötungen)
  • Insulin (wenn verordnet) nicht selbst absetzen — bei Nicht-Essen oder Erbrechen sofort Hausarzt vor Dosisänderung

Nicht (nach ärztlicher Rücksprache pausieren)

  • Metformin bei akutem Infekt / Erbrechen / Durchfall / vor Kontrastmittel-Untersuchung
  • SGLT2-Inhibitoren (Empagliflozin, Dapagliflozin) bei akutem Infekt — insbesondere Harnwegsinfekt oder unklarem Fieber (Ketoazidose- und Genital­infekt-Risiko)

Zeichen einer Unterzuckerung — sofort handeln

  • Zittrig, kaltschweißig, verwirrt, aggressiv
  • Sofort: Traubenzucker, Saft, Weißbrot — dann Hausarzt anrufen

Zeichen einer Überzuckerung — heute Hausarzt

  • Extremer Durst, viel Wasserlassen, plötzlicher Gewichtsverlust, Übelkeit

Hyperglykämischer Koma-Verdacht (HHS) — sofort 112

  • Zunehmende Schläfrigkeit oder Verwirrtheit bei bekanntem Diabetes

Nieren-Schwäche (Stadium 3a)

CKD

Täglich

  • Genug trinken, wenn es das Herz erlaubt (Arzt-Vorgabe beachten)
  • Kontrastmittel-Untersuchungen vorher mit Hausarzt abstimmen

Jährlich / regelmäßig

  • Grippe-Impfung jährlich im Herbst
  • Pneumokokken-Impfung 1× im Erwachsenenalter, Auffrischung nach ca. 6 Jahren
  • RSV-Impfung ab 60 Jahren empfohlen (STIKO)

Infekte belasten die Niere zusätzlich — Impfungen sind bei CKD besonders wichtig, um Verschlechterung zu vermeiden.

Nicht

  • Ibuprofen / Diclofenac / andere NSAR
  • Nahrungsergänzung mit Kalium oder Magnesium ohne Rücksprache

Warnzeichen — Hausarzt

  • Deutlich weniger Wasserlassen als sonst
  • Übelkeit, Juckreiz, Verwirrtheit ohne andere Ursache

Osteoporose

Osteoporose

Täglich

  • Calcium + Vitamin D wie verordnet einnehmen
  • Wohnung sturzsicher: Stolperkanten, Beleuchtung, Griffe im Bad
  • Bewegung — kurze Spaziergänge, sicherer Untergrund

Wenn Bisphosphonat verordnet (Alendronat, Risedronat, Ibandronat wöchentlich oder monatlich)

  • Nüchtern morgens mit einem großen Glas Leitungswasser einnehmen — nicht mit Mineralwasser, Kaffee, Milch oder Saft (Wirkung sonst blockiert)
  • Danach 30 Minuten aufrecht bleiben und nichts essen/trinken außer Wasser (schützt vor Speiseröhren-Entzündung)
  • Zahnarzt-Termine regelmäßig — Bisphosphonate erhöhen selten das Risiko einer Kieferknochen-Schädigung nach Zahn-OP

Wenn Denosumab (Prolia) verordnet — Spritze alle 6 Monate

  • Termine strikt alle 6 Monate einhalten — schon 4 Wochen Verzögerung erhöht das Risiko für Wirbelbrüche
  • Bei Umzug, Arztwechsel oder Krankenhaus-Aufenthalt: Wichtiges Info-Zettel bereithalten, damit Kontinuität gesichert bleibt
  • Zahnarzt-Termine wie bei Bisphosphonat — Kieferknochen-Schädigung selten möglich

Absetzen ohne Anschlusstherapie ist gefährlich — es besteht das Risiko sogenannter Rebound-Wirbelbrüche in den 3 bis 18 Monaten danach. Umstellung immer mit Hausarzt/Endokrinologen planen.

Nicht

  • Lang liegen bei Rückenschmerz — Wirbelkörper-Bruch verpasst wenn nur „Rücken"
  • Bisphosphonat vor größerer Zahn-OP nicht ohne Absprache pausieren — mit Hausarzt und Zahnarzt abstimmen

Warnzeichen — Hausarzt / Klinik

  • Plötzlicher, starker Rückenschmerz ohne klaren Sturz
  • Nach Sturz: kein Aufstehen möglich, Schmerz in Hüfte / Becken
  • Bei Bisphosphonat: neuer, starker Schmerz im Kieferknochen oder freiliegender Knochen im Mund → Hausarzt + Zahnarzt

Bluthochdruck

HTN

Täglich

  • Blutdruck zur festen Zeit messen — nach 5 Min Ruhe, sitzend
  • Salzarm essen, Fertiggerichte meiden
  • Blutdrucksenker zur festen Zeit einnehmen
  • Beim Aufstehen 30 Sekunden am Bettrand sitzen — vor allem morgens und nachts (schützt vor Kreislauf-Abfall = Sturz-Risiko unter Blutdrucksenkern)

Nicht

  • Blutdrucksenker eigenmächtig pausieren, wenn Werte einen Tag „gut" sind
  • Lakritz oder Nasenspray über Wochen — beides hebt den Blutdruck

Warnzeichen — heute Hausarzt

  • RR über 180/110 mit Kopfschmerz, Sehstörung, Übelkeit oder Brustschmerz
  • Wiederholt niedrige Werte unter 100/60 mit Schwindel — Dosis prüfen
  • Regelmäßiges Schwarzwerden vor Augen beim Aufstehen — Hinweis auf orthostatische Hypotonie, Dosis-Prüfung; ggf. Antihypertensivum abends statt morgens einnehmen (Hausarzt-Frage)

Depression & Schlafstörung

DEP

Täglich

  • Antidepressivum zur festen Uhrzeit — bei Margarete Mirtazapin 0-0-1 (30 Min vor dem Zubettgehen).
    Andere gängige Antidepressiva im Alter
    • SSRI (Sertralin, Escitalopram, Citalopram) — morgens
    • SNRI (Venlafaxin, Duloxetin) — morgens
    • Trazodon — abends
  • Feste Tagesstruktur: Aufstehen, Mahlzeiten, Bewegung immer ähnlich
  • Tageslicht am Vormittag, kurzer Spaziergang wenn möglich

Nicht

  • Alkohol als Einschlafhilfe — verstärkt Sedierung und Sturz-Risiko bei allen Antidepressiva
  • Nachts allein zur Toilette ohne Licht — Mirtazapin und Trazodon senken den Blutdruck; SSRI/SNRI erhöhen bei Älteren ebenfalls das Sturzrisiko
  • Antidepressiva plötzlich absetzen — Absetzsymptome, Rücksprache Hausarzt
  • Bei SSRI/SNRI: keine NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) ohne ärztliche Freigabe — erhöhtes Blutungsrisiko
  • Trizyklische Antidepressiva (z. B. Amitriptylin) sind im Alter laut PRISCUS zu vermeiden — bei bestehender Verordnung mit Hausarzt Umstellung besprechen

Akute Krise — sofort 112 oder Telefonseelsorge 0800 111 0111

  • Neu geäußerte Suizidgedanken oder „nicht mehr wollen"

Warnzeichen — heute Hausarzt

  • Rückzug, Essen ablehnen, Antriebslosigkeit > 1 Woche neu
  • Bei SSRI/SNRI: neu aufgetretene Verwirrtheit, Krämpfe, starker Kopfschmerz oder Schwäche → möglicher Salzmangel (Hyponatriämie)

Beginnende Gedächtnis-Schwäche

MCI

Täglich

  • Feste Alltags-Anker: Kalender, große Uhr, Fotos an den Wänden
  • Notiz-Zettel am Türrahmen (Herd aus? Fenster zu? Schlüssel?)
  • Bewegung + soziale Kontakte — beides bremst den Verlauf

Nicht

  • Neue Beruhigungs- oder Schlaftabletten dazugeben — machen Verwirrtheit meist schlimmer
  • Bei Verwirrtheit „nur zusehen" — oft ist Auslöser ein Infekt (Harnwege, Lunge)

Warnzeichen — heute abklären

  • Plötzlich stärker verwirrt als sonst — an akuten Auslöser denken (Delir): Harnwegsinfekt, Lungenentzündung, Verstopfung, Schmerzen, neue Medikamente, Fieber. Hausarzt heute
  • Verläuft sich draußen, erkennt Angehörige nicht — Struktur-Anpassung überfällig

Vor einer Demenz-Diagnose: reversible Ursachen ausschließen lassen

  • Schilddrüsen-Werte (TSH, freies T4) — Unterfunktion kann Gedächtnis-Schwäche vortäuschen
  • Vitamin B12 und Folsäure — bei Älteren häufig erniedrigt, gut therapierbar
  • Depression mitprüfen — kann sich als Gedächtnis-Störung zeigen („Pseudodemenz")
  • Aktuelle Medikamentenliste durchgehen — Anticholinergika (Oxybutynin, ältere Antihistaminika), Sedativa, Schlaftabletten sind häufige Verstärker

Diese vier Punkte sollten vor der Demenz-Diagnose einmal geprüft sein — Hausarzt oder Neurologe kann das schnell abklären.

Chronischer Knieschmerz

KS

Täglich

  • Sanft bewegen — 3–5 Min Kniebeugen am Stuhl, kurze Spaziergänge
  • Paracetamol bei Bedarf als Schmerzmittel (nierenverträglicher als Ibuprofen)
  • Stabile Schuhe mit dämpfender Sohle, Gehstock wenn hilfreich

Nicht

  • Ibuprofen / Diclofenac — bei CKD und HI ungeeignet, Rücksprache Hausarzt
  • Wegen Schmerz komplett schonen — Muskeln bauen ab, Sturzrisiko steigt

Warnzeichen — Hausarzt / Klinik

  • Knie plötzlich rot, überwärmt, dick — an Gelenkinfekt oder Gicht denken, heute abklären
  • Nach Sturz keine Belastung mehr möglich — Röntgen nötig

Chronische Lungenerkrankung (COPD)

COPD

Täglich

  • Inhalator zur festen Zeit — bei Bedarf plus Notfallspray (kurzwirksames Bronchospray)
  • Atemübungen — Lippenbremse und ruhige tiefe Atmung mehrmals täglich
  • Bewegung im Rahmen der eigenen Belastbarkeit — Muskeln erhalten, verhindert schnelle Verschlechterung
  • Rauchstopp — auch spät im Leben verzögert die Verschlechterung deutlich

Jährlich / regelmäßig

  • Grippe-Impfung jährlich, Pneumokokken-Impfung 1× (Auffrischung nach ca. 6 Jahren), RSV-Impfung ab 60 Jahren empfohlen
  • Regelmäßige Kontrolle Lungenarzt / Hausarzt — Anpassung der Inhalatoren an aktuelle Schwere

Nicht

  • Sedativa (Benzodiazepine, Schlaftabletten) bei Atemnot — dämpfen den Atemantrieb, verschlechtern die Symptomatik
  • Sauerstoff eigenständig einstellen oder erhöhen — insbesondere bei fortgeschrittener COPD kann zu hohe Zufuhr gefährlich sein (CO₂-Anstieg)
  • Antibiotika ohne ärztliche Verordnung anfangen — Resistenzen und falsche Diagnose-Verschleppung

Warnzeichen — heute Hausarzt oder Notaufnahme

  • Deutliche Zunahme der Atemnot in Ruhe oder deutlich schnellere Ermüdung als sonst
  • Verfärbter Auswurf (gelb, grün, blutig) oder deutlich mehr Auswurf als üblich — Verdacht auf Exazerbation, heute Hausarzt
  • Fieber + zunehmende Atemnot — heute abklären lassen

Sauerstoffmangel oder CO₂-Anstieg — sofort 112

  • Blaue Lippen oder Fingernägel, extreme Unruhe, Schläfrigkeit oder Verwirrtheit

Nach einem Schlaganfall (Z. n. Schlaganfall)

Stroke

Täglich

  • Blutverdünner konsequent zur festen Zeit — bei kardialer Ursache (z. B. bei bekanntem Vorhofflimmern) meist DOAK oder Marcumar; bei nicht-kardialer Ursache oft ASS 100
  • Blutdruck-Ziel: meist < 130/80 mmHg — regelmäßig messen, salzarm essen
  • Statin (Atorvastatin, Simvastatin) und ggf. weitere Sekundärprophylaxe wie verordnet einnehmen
  • Physiotherapie und ggf. Logopädie/Ergotherapie regelmäßig — auch wenn die Symptome „im Alltag ok" wirken (verhindert Verschlechterung)

Regelmäßig

  • Neurologische oder hausärztliche Kontrolle (meist alle 3–6 Monate) — Anpassung Medikation und Reha-Bedarf
  • Grippe- und Pneumokokken-Impfung — Infekte erhöhen das Rezidiv-Risiko

Nicht

  • Blutverdünner eigenmächtig pausieren — auch nicht bei kleinen Blutungen (Zahnfleisch, Nasenbluten), stattdessen Rücksprache Hausarzt
  • Blutdruck-Medikation eigenmächtig absetzen, wenn Werte einen Tag „gut" sind
  • Rauchen wieder anfangen — deutliche Rezidiv-Risiko-Erhöhung
  • Fahrzeug führen bei bleibenden Ausfällen — Fahrtauglichkeit vom Neurologen prüfen lassen

Warnzeichen — sofort 112 (Rezidiv oder TIA)

  • BE-FAST: Face (hängender Mundwinkel) · Arm (einseitige Schwäche) · Speech (verwaschene Sprache) · Eyes (plötzliche Sehstörung, auch nur ein Auge) · Balance (plötzlicher Schwindel mit Sturzrisiko)
  • Auch wenn Zeichen nach Minuten wieder weg sind → TIA-Verdacht, Rezidiv-Risiko in den nächsten 48 Stunden besonders hoch
  • Neuer, sehr starker Kopfschmerz („schlimmster Kopfschmerz meines Lebens") oder plötzliche Verwirrtheit

Warnzeichen — heute Hausarzt / Neurologe

  • Schleichende Zunahme von Sprach-, Gang- oder Konzentrations-Problemen ohne akutes Ereignis — kann auf Sekundär-Verschlechterung hindeuten
  • Neue depressive Verstimmung — Post-Stroke-Depression ist häufig und gut behandelbar

Diese Karten sind eine Alltags-Hilfe, kein Ersatz für Hausarzt oder Klinik. Bei Zweifel: 112 im Notfall, 116 117 tagsüber.